„Ein feste Burg ist unser Gott“

Ritter- und Burgfräuleinfreizeit der Evangelischen Kirchengemeinde Ruppertshofen

Ruppertshofen/ Burg Steinegg bei Pforzheim: Zum Auftakt des Reformationsjahres machten sich zwölf ehrenamtliche Mitarbeitende zusammen mit 28 Mädchen und Jungs vom 5. bis 9. September 2016 auf zur Ritter- und Burgfräulenfreizeit auf der Burg Steinegg bei Pforzheim, um das Leben Martin Luthers zu entdecken.

Schon die Anreise war ein Abenteuer, doch dank der Zuverlässigkeit der öffentlichen Verkehrsmittel kam die Gruppe an diesem Tag pünktlich an ihrem Zielort, der Burg Steinegg, einem Freizeithaus der Evangelischen Kirche Pforzheim, an. Dort erwartete sie schon das Küchenteam um Maria Bauer, das für eine hervorragende Verpflegung während der vier Freizeittage sorgte. Am Ende des Rundgangs über die Burg, die vom Burgturm bis in den Gewölbekeller führte, sahen sich die erstaunten Freizeitteilnehmer im Mittelalter angekommen. Sie wurden Teil eines Abendessens im Hause Hans und Margarethe Luther, bei der auch der kleine Martin anwesend war. Dieser wurde vom Herr Magister mit in die Lateinschule genommen und so erlebten die Teilnehmenden, wie eine Schulstunde vor 500 Jahren aussah.

Die Lebensgeschichte Martin Luthers spielten die Mitarbeitenden in zahlreichen Theaterszenen nach. Gleich am ersten Abend kam die Freizeitgruppe in ein „Gewitter“, bei dem Martin Luther der Heiligen Anna gelobte, Mönch zu werden, falls sie ihn errette. So fanden sich alle am nächsten Morgen in Mönchsgewändern, die extra für die Freizeit in Handarbeit genäht wurden, wieder. Im Kloster wurde an diesem Tag das Frühstück schweigend eingenommen, während ein Mitbruder Texte aus der lateinischen Bibel vorlas.

Die wichtigste Klosterregel „Ora et labora – Bete und Arbeite“ lernten die Kinder während des Vormittags kennen: Nach einer kurzen liturgischen Morgenfeier auf Latein konnten die Kinder Arbeiten des Klosterlebens, wie zum Beispiel Kalligrafie, Erstellen eines Bucheinbandes oder das Herstellen von selbstgemachtem Apfelmus, nacherleben. Am Nachmittag veranstaltete die Gruppe im Burghof einen Mittelaltermarkt, bei dem der Ablassverkäufer Johann Tezel die Teilnehmenden aufforderte, sich mit einem Goldstück von den Strafen des Fegefeuers freizukaufen.

Dagegen protestierte jedoch Marin Luther und schlug seine berühmten 95 Thesen an die Türe der Burgkapelle. Deshalb musste er am Abend vor dem Kaiser auf dem Reichstag erscheinen. Er widerrief seine Schriften nicht und wurde zum Ende des Abends von drei Rittern entführt. Am nächsten Morgen begegnete ihm die Gruppe im Burgturm, verkleidet als Junker Jörg, wieder, während er dabei war, das neue Testament zu übersetzen. Die Teilnehmenden konnten im Anschluss an diese Theaterszene die Bibel mit allen Sinnen erkunden: Die Aufgaben reichten vom Schmecken biblischer Früchte, Hören biblischer Musikinstrumente, Riechen von biblischen Gewürzen bis zum Ertasten von biblischen Tierfiguren. Beim folgenden Geländespiel mussten die Teilnehmenden Bibelstellen finden, diese aufschlagen und auswendig lernen, um beim Schreiber dafür Punkte zu bekommen.

Bei einem Quiz zum Leben Martin Luthers konnten alle ihr Wissen unter Beweis stellen. Am Abschlusstag feierte die Freizeitgruppe einen gemeinsamen Gottesdienst, bei dem die einzelnen Teile der „Lutherrose“, des Wappens Martin Luthers, in Theater- und Schattenspiel, sowie im Gestalten von Fensterbildern vertieft wurde. Auf einem Ritterturnier konnten sich die Kinder in den Disziplinen Lanzenstechen, Bogenschießen oder dem „Sturm auf die Burg“ bewähren. Die Abende wurden mit einer Geschichte, zahlreichen gemeinsam gesungenen Liedern und dem Abendsegen Martin Luthers im Rittersaal beendet.