Was bedeutet der „Segen“ für die Menschen?

"Musik bei Kerzenschein": Gospels von Agnes K. Fröhlich & Band

Was bedeutet der „Segen“ für die Menschen? Mit dieser Frage befasste sich in Ruppertshofen die Veranstaltung „Musik bei Kerzenschein“ – und die Antworten kamen in Form von Gospels und Texten, die zum Nachdenken anregten und froh machten.

Pfarrer Stephan Schiek hat in der Nikolauskapelle eine kleine, aber sehr feine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen. Diese Benefiz-Veranstaltungen haben über Jahre hinweg nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Sanierung dieser Kapelle beigetragen, sondern helfen der Kirchengemeinde nun auch dabei, die Orgel in der Stephanuskirche in Tonolzbronn zu renovieren.

Darüber hinaus sind die Konzerte im kleinen Gotteshaus, stets ergänzt durch meditative oder wachrüttelnde Texte, immer kleine „Inseln“ in der Hektik des modernen Lebens. Kleine Auszeiten und eine echte Inspiration zum Nachdenken über das eigene Leben.

„Schau in dein Leben – und wenn da etwas nicht so läuft, wie es sollte, dann solltest du nachdenken, wie du es ändern kannst!“,

sang am Sonntagabend die aus Kenia stammende, im Raum Stuttgart verheirate Gospel-Sängerin Agnes K. Fröhlich. Dabei war ihr Familienname durchaus auch ihr Programm, denn sowohl ihre Lieder als auch die Wortbeiträge der sprachgewandten Sängerin verbreiteten sofort eine heitere Stimmung und Optimismus. Ansteckende Fröhlichkeit eben. Über ihre musikalischen Fähigkeiten hinaus ist die Frau aus Afrika eine charmante Moderatorin, die sich auf Deutsch perfekt ausdrücken kann.

Agnes K. Fröhlich lebt offensichtlich, was sie in ihren selbst komponierten und getexteten Liedern zum Ausdruck bringt. Und es wurde dann tatsächlich der „bewegte musikalische Abend“, den Pfarrer Schiek bei der Begrüßung in Aussicht gestellt hatte. Ihre Aufforderung, seinen Platz zu verlassen und zu tanzen – dies war wohl vom schwäbischen Publikum etwas zu viel verlangt. Aber ihre eigene Freude am Rhythmus und der Bewegung übertrug die Kenianerin schon auf ihre Zuhörer und Zuschauer. Einige tanzten tatsächlich – aber auch alle anderen setzten im Sitzen die Musik der Sängerin, ihres Background-Duos sowie der Band (bestehend aus Keyboard, Bass, Gitarre, Congas und Cajon) in Bewegung um.

Die geradlinige Musik von Agnes K. Fröhlich ist geprägt von einer tiefen, authentischen Religiosität; und so handeln ihre Gospels, die sie auf Kisuaheli, Englisch oder Deutsch – manchmal kommen sogar alle drei Sprachen in einem Lied vor - schreibt, vom Gottvertrauen. „Sei gesegnet“ war nicht nur der Titel des ersten und letzten Liedes, sondern auch das Motto des ganzen Abends. Unter dem rechten Segen Gottes werde das Leben gesund und hoffnungsfroh, zitierte dazu Pfarrer Schiek den berühmten Theologen Dietrich Bonhoeffer. „Gesegnet sein heißt, ich empfange mehr als das, was ich verdient habe. Gesegnet sein heißt, aus der Kraft Gottes zu leben“, verwies der evangelische Ortsgeistliche auf einen Text von Franz Kamphaus.

Wie ein roter Faden zog es sich durch den Abend, dass man seinen Glauben nicht nur leben, sondern ihn auch nach außen tragen sollte. „Schnell, schnell, lasst uns die gute Nachricht verbreiten“, heißt es in einem der Lieder von Agnes K. Fröhlich. Sie empfahl ihrem Publikum außerdem, dass man seinen Mitmenschen öfter mal sagen sollte „Sei gesegnet!“ (Auf Kisuaheli „Ubarikewe!“), denn ein solcher Zuruf wirke selbst in emotionsgeladenen, aggressiven Situation manchmal sehr besänftigend.

„Segen ist ein Wort, das Gutes bewirkt“, pflichtete Pfarrer Schiek der Afrikanerin bei. Segen könne eine Herberge sein, die uns Gott anbiete.

Und wer diese Herberge nicht habe, verspüre oft eine innere Unruhe, machte er deutlich. „Segen ist eine Heimat – und diese Heimat nennen wir Gott!“

Von Gerold Bauer (Quelle: Remszeitung vom 08. April 2014)