Ritter- und Burgfräulein-Freizeit

“Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht” –
Auf den Spuren der Elisabeth von Thüringen

Ritter- und Burgfräuleinfreizeit der Evangelischen Kirchengemeinde Ruppertshofen

Zum sechsten Mal veranstaltete die evangelische Kirchengemeinde Ruppertshofen die Ritter- und Burgfräulenfreizeit auf der Burg Steinegg bei Pforzheim. In diesem Jahr machten sich vierzehn ehrenamtliche Mitarbeitende zusammen mit 29 Mädchen und Jungs auf, um die Lebensgeschichte von Elisabeth, die vor 800 Jahren als Landgräfin von Thüringen lebte, nachzuerleben.

Nach einer entspannten Fahrt mit dem Reisebus kam die Gruppe an ihrem Zielort, der Burg Steinegg, einem Freizeithaus der Evangelischen Kirche Pforzheim, an. Dort erwartete sie schon das Küchenteam um Maria Bauer, das für eine hervorragende Verpflegung während der fünf Freizeittage sorgte. Am Ende des Rundgangs über die Burg, die in den historischen Gewölbekeller führte, sahen sich die erstaunten Freizeitteilnehmer im Mittelalter angekommen. Sie wurden Zeuge, wie die Menschen auf der Wartburg und im nahegelegenen Städtchen Eisenach lebten: Die einen in Saus und Braus, die anderen in bitterer Armut. Dies war der Auftakt zu zahlreichen Spielszenen, die die Teilnehmenden in das Leben und die Zeit von Elisabeth von Thüringen führten.

Fasziniert konnten alle nacherleben, wie Elisabeth, die als Königstochter in Ungarn geboren wurde, als kleines Mädchen von Ritter Walter nach Thüringen gebracht wurde. Dort genoss sie eine höfische Erziehung, zeigte sich jedoch als widerspenstiges Kind, das mit den einfachen Leuten spielen wollte. Als der älteste Sohn des Landgrafenehepaars starb, sollte sie zurückgeschickt werden – doch Ritter Walter wusste das zu verhindern und überbrachte der erstaunten Elisabeth einen Heiratsantrag des zweitältesten Sohnes Ludwig. So konnten die Teilnehmenden bei einer gespielten Trauung in der nahe Burgkapelle beiwohnen, die mit einem großen Fest und leckerem Essen gefeiert wurde. Elisabeth setzte sich als neue Landgräfin vor allem für die Armen und Kranken ein und eckte damit bei ihrer Familie an. Als sie einmal wieder zusammen mit ihrer treuen Zofe Guda, Brot von der Burg schmuggeln wollte, wurde sie von ihrem Ehemann Ludwig überrascht und aufgefordert, ihre geheime Fracht zu zeigen. Da heißt es, hätten sich die Brotlaibe in Rosen verwandelt. Nach dem Tod ihres Ehemanns, der ihr einziger Rückhalt war, musste Elisabeth von der Wartburg fliehen und hat in Marburg ein Spital gegründet, wo sie wenige Jahre später an einer Krankheit verstarb.

Diese Geschichte präsentierten die Mitarbeitenden den interessierten Teilnehmern in lebendigen Rollenspielen und Theaterstücken mit historischen Gewändern und an entsprechend ausgesuchten Orten wie zum Beispiel im Wald, im Rittersaal der Burg, an einer Kapelle oder auf einem mittelalterlichen Markt.

Auch das Freizeitprogramm war darauf abgestimmt, in die Welt des Mittelalters einzutauchen: In Kreativworkshops durften sich die Mädchen und Jungen zuerst eigene Hüte aus Fils und ein Wappen für ihren Waffenrock herstellen. Am zweiten Freizeittag wurden Holzlöffel geschnitzt, Speckstein gestaltet, Lederbeutel hergestellt oder Freundschaftsbändchen geknüpft. In einem Geländespiel mussten die Teilnehmer in Gruppen möglichst viele Edelsteine für den Brautschmuck der Elisabeth besorgen. Ein Ritterturnier mit Stationen wie Ringewerfen, Wikingerschach und Bogenschießen rundeten das Programm ab. Am Abschlusstag feierte die Freizeitgruppe einen gemeinsamen Gottesdienst, bei dem die biblische Geschichte vom barmherzigen Samariter im Mittelpunkt stand. Diese wurde von den Mädchen und Jungs selbst nachgespielt, ein Lied dazu eingeübt und die Gebete zum Gottesdienst selbst gesprochen. An den einzelnen Abenden hörten die Kinder Geschichten, die sie ermutigten, sich als einmalige Geschöpfe Gottes wahr- und ernstzunehmen.