Turmsanierung der Stephanuskirche

Der folgende Artikel von Miriam Siegfried erschien
am 11. Juni 2019 in der Rems-Zeitung:

Es darf wieder geläutet werden

Abschluss der Sanierungsarbeiten am Turm derStephanuskirche in Tonolzbronn / Der Hahn glänzt im frischen Goldgewand

In frischem Goldgewand glänzte der Hahn aufdem Kirchturmdach, am Fuße des Turms spiegelte sich die Sonne in den Instrumenten des örtlichen Musikvereins. Ein feierliches Bild, wie gleichsam die gesamte Gemeinde im Sonntagsgewand, den Abschluss der Sanierungsarbeiten am Turm ihrer Kirche feierte.


Drei. Jahre lang hatten die Glocken imTurm der Stephanuskirche stillschweigen müssen, da die dauerhaften Schwingungen über viele Jahre hinweg dem Gebäude zugesetzt hatten. Hinzu kamen Schäden durch Sturm und Feuchtigkeit, die letztlich zu einer Gesamtsituation geführt hatten, die Architekt Jörg Richter in seinem Grußwort mit „fünf vor zwölf“ umschrieb.

Das gehört nun glücklicherweise der Vergangenheit an. Mit dem Gottesdienst am Pfingstsonntag feierte die Gemeinde nun das erfolgreiche Ende der knapp sechsmonatigen Sanierungsarbeiten und die Tatsache, dass die drei Glocken endlich wieder klingen dürfen.

In Form eines Dialogs mit der diensältesten Glocke „Treue“ führte Pfarrer Stephan Schiek die Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde Ruppertshofen in die Besonderheiten der drei Glo­cken im Turm ein. „Ich erklinge bei Segnungen, Taufen und Trauungen“, erklärte Treue und ergänzte „ich klinge verlässlich und hell, weil auch der Segen Gottes etwas helles ist.“ Außerdem hängen noch ihre Schwestern „Gedächtnis“ und „Zum Lobe und Preise Gottes“ im Turm, eine jede mit ihrer ganz spezifischen Klangfarbe, die zu besonderen Gelegenheiten zum Einsatz kommt. So erklingt „Gedächtnis“ an Karfreitag oder wenn ein Gemeindemitglied verstorben ist.

„Glocken tragen Informationen über Freude und Leid zu den Menschen und schaffen damit Gemeinschaft“, betonte auch Pfarrer Christof Messerschmidt, der das Grußwort im Namen des Kirchenbezirks hielt. Aber mehr noch, Glocken laden dazu ein, den Alltag zu unterbrechen,
vielleicht ein kurzes Gebet zu sprechen und der hektischen Zeit mit einem Innehalten zu begegnen. 1923 und 1949 sind die Kirchenglocken gegossen wurde, nachdem ihre Vorgänger im Krieg eingeschmolzen wurden. Damals haben haben die Menschen bereitwillig gesammelt und
gespendet, um möglichst bald wieder Glockengeläut genießen zu können.

So auch jetzt. 380000 Euro waren für die Sanierung veranschlagt worden, 355000 Euro hatten die Kosten letztlich betragen. Der Rest soll genutzt werden, um die Außenanlagen – Wege und Be
pflanzung – rund um die kleine Kirche wieder auf Vordermann zu bringen. Schließlich, so Vize-Bürgermeisterin Eleonore Mangold, ist der Kirchturm auch ein weithin sichtbares Symbol für
die weltliche Gemeinde.

Der Gottesdienst mit Pfarrer Stephan Schiek und Vikar Janis Fels sowie musikalischer Unterstützung durch den Chor des Gesangverein Ruppertshofen, ein Festakt im Grünen und die anschließenden Möglichkeit, den Turm zu erklimmen oder bei Sekt und Häppchen gemütlich unten zu warten, schuf einen feierlichen Rahmen um den Tag. Der Sonnenschein und vor allem das Kirchengeläut waren dann das i-Tüpfelchen für die Gemeinde.

 

 

Bilder des Artikels in  der Rems-Zeitung vom 11. Juni 2019. Alle Bilder von Miriam Siegfried.

Der folgende Artikel von Geold Bauer erschien am 6. Februar 2019 in der Rems-Zeitung:

Am Kirchturm in Tonolzbronn hat die Sanierung begonnen

Pfarrer Stephan Schiek freut sich, dass die Sanierung des Kirchturms vorangeht. Foto: gbr, Rems-Zeitung

Die evangelische Kirchengemeinde braucht noch rund 20.000 Euro Spenden für die Finanzierung

Der Kirchturm in Tonolzbronn ist zur Zeit von einem Gerüst umhüllt, denn die Zimmerleute haben mit der Sanierung des Gebälks begonnen. Noch gibt es in der Finanzierung allerdings eine Lücke, so dass die evangelische Kirchengemeinde auf weitere Spenden angewiesen ist.

Nicht nur außen steht ein Gerüst, sondern auch innen. Denn dort haben die Zimmerleute im Kirchturm neue Etagen-Böden eingezogen. Die Balkendecke direkt unter dem Glockenstuhl wurde durch zusätzliche Unterzüge so verstärkt, dass die Schwingungen der Glocken nur noch gedämpft an das Mauerwerk übertragen werden.

Auf rund 350 Kilogramm schätzt Zimmermeister Christoph Bleicher aus Holzleuten das Gewicht von jedem der 36 mal 30 Zentimeter dicken Holzbalken. Aufgrund des Denkmalschutzes durften dafür keine modernen Leimbinder verwendet werden, sondern naturbelassenes, kammergetrocknetes Holz aus heimischen Wäldern. Um einen so massiven Balken heraus zu sägen, bedarf es auch eines ganz besonders starken Stamms.

Mit Hilfe des Teleskop-Staplers wurden die vier dicken Balken an der Außenfassade hochgehoben und durch ein Turmfenster nach Innen gezogen. Im Innern hatten die Handwerker eine Elektrowinde installiert, um die schweren Balken in Position zu bringen.

Beim Bau der Kirche im 16. Jahrhundert waren die Balken einfach auf die aus Bruchsteinen gemauerte Wand des Turms gelegt worden. Der Einbau eines neuen Glockenstuhls hat dann dazu geführt, dass durch die Schwingungen beim Läuten einzelne Steine gelockert wurden und aus dem Mauerverbund herausgebrochen sind. Denn anstelle eines traditionellen Glockenstuhls aus Holz war seinerzeit ein vermeintlich stabileres Stahlgestell installiert worden – mit dem Nachteil, dass Stahl Schwingungen quasi vollständig weiterleitet, während Holzbalken eine dämpfende Wirkung haben. Die nun zur Deckenverstärkung eingebauten Balken sorgen dafür, dass die Vibrationen gedämpft werden und die Last auf mehr Punkte verteilt wird. Zudem wurden stabile Auflagen aus Beton hergestellt.

Eine weitere Aufgabe für die Zimmerleute besteht nun darin, die aufgrund der Schwingungen auseinandergegangenen Verbindungen des Dachgebälks wieder zusammen zu fügen. Sie sind bisher nicht verschraubt oder genagelt, sondern nach den Regeln der traditionellen Handwerkskunst verzapft.
„Voraussichtlich nächste Woche bauen wir auch die neue Treppe ein“, stellte der Zimmerermeister beim Baustellentermin mit Pfarrer Stephan Schiek in Aussicht. Denn der Weg hoch zum Glockenstuhl führte bislang über eine bessere „Hühnerleiter“, die der Statiker als lebensgefährlich bezeichnet hatte. Diese alte Treppe wurde ausgebaut und wird durch eine stabile, zimmermannsmäßig gebaute Podesttreppe ersetzt. Auch was das Dach angeht, wartet noch einiges an Arbeit auf die Handwerker. Sturmschäden in der Vergangenheit haben gezeigt, dass dort Handlungsbedarf besteht. „Nicht alle Biberschwanzziegel des sehr steilen Kirchturmdachs sind mit Klammern gegen he-runterfallen gesichert“, sagte der evangelische Ortsgeistliche.

Laut Pfarrer Schiek braucht man auch noch einen Steinmetz, der die Schäden in der Bruchsteinmauer und an den (als gemauertes Gewölbe ausgeführten) Rundbögen der Turmfenster denkmalschutz-und fachgerecht saniert. Das Zifferblatt der Kirchturmuhr sowie die Turmzier werden ebenfalls renoviert. Und wenn am Turm schon ein Gerüst steht, nutzt man diese Gelegenheit, um gleich noch die Fassade zu renovieren.

Auf Nachfrage der Rems-Zeitung hat sich der Pfarrer von Kirchenpfleger Heinrich Mangold die aktuellen Zahlen geben lassen. Auf rund 380 000 Euro summieren sich die Gesamtkosten am Kirchturm.

Abzüglich diverser Kostenbeteiligungen (unter anderem die Landeskirche sowie die bürgerliche Gemeinde) verbleibt für die evangelische Kirchengemeinde Rup-pertshofen ein Eigenanteil von ungefähr 100.000 Euro. Dank der über Jahre angesparten Rücklagen stehen 55.000 Euro zur Verfügung. 26.000 Euro kamen durch Spenden, Schrottsammlungen sowie Verkaufsaktionen auf dem Weihnachtsmarkt zusammen. Der größte Einzelposten waren jene 10.000 Euro, die beim Sponsorenlauf im vergangenen Sommer in die Kasse kamen. „Einige größere Spende wären schon willkommen. Sonst müssten wird für die noch fehlenden 20. 000 Euro einen Kredit aufnehmen!“, hofft der Ortsgeistliche auf weitere Unterstützung.

Alle Fotos: gbr, Rems-Zeitung

Hintergrund

  • Die Ursprünge der Stephanskirche in Tonolzbronn reichen zurück bis ins frühe Mittelalter. Vermutlich im 10. Jahrhundert wurde dort eine Kirche im romanischen Stil erbaut. Am heutigen Giebel des Kirchenschiffs sieht man noch die Konturen des ursprünglichen Giebels.
  • Ganz am Anfang des 16. Jahrhunderts erfolgte dann die Erweiterung auf die heutigen Maße sowie eine Umgestaltung im spätgotischen Stil.
  • Die evangelische Kirchengemeinde hat etwa 850 Mitglieder – wobei die evangelischen Christen aus dem Teilort Birkenlohe darin nicht enthalten sind. Sie zählen zu Frickenhofen.