Der folgende Artikel von Geold Bauer erschien am 6. Februar 2019 in der Rems-Zeitung:

Am Kirchturm in Tonolzbronn hat die Sanierung begonnen

Pfarrer Stephan Schiek freut sich, dass die Sanierung des Kirchturms vorangeht. Foto: gbr, Rems-Zeitung

Die evangelische Kirchengemeinde braucht noch rund 20.000 Euro Spenden für die Finanzierung

Der Kirchturm in Tonolzbronn ist zur Zeit von einem Gerüst umhüllt, denn die Zimmerleute haben mit der Sanierung des Gebälks begonnen. Noch gibt es in der Finanzierung allerdings eine Lücke, so dass die evangelische Kirchengemeinde auf weitere Spenden angewiesen ist.

Nicht nur außen steht ein Gerüst, sondern auch innen. Denn dort haben die Zimmerleute im Kirchturm neue Etagen-Böden eingezogen. Die Balkendecke direkt unter dem Glockenstuhl wurde durch zusätzliche Unterzüge so verstärkt, dass die Schwingungen der Glocken nur noch gedämpft an das Mauerwerk übertragen werden.

Auf rund 350 Kilogramm schätzt Zimmermeister Christoph Bleicher aus Holzleuten das Gewicht von jedem der 36 mal 30 Zentimeter dicken Holzbalken. Aufgrund des Denkmalschutzes durften dafür keine modernen Leimbinder verwendet werden, sondern naturbelassenes, kammergetrocknetes Holz aus heimischen Wäldern. Um einen so massiven Balken heraus zu sägen, bedarf es auch eines ganz besonders starken Stamms.

Mit Hilfe des Teleskop-Staplers wurden die vier dicken Balken an der Außenfassade hochgehoben und durch ein Turmfenster nach Innen gezogen. Im Innern hatten die Handwerker eine Elektrowinde installiert, um die schweren Balken in Position zu bringen.

Beim Bau der Kirche im 16. Jahrhundert waren die Balken einfach auf die aus Bruchsteinen gemauerte Wand des Turms gelegt worden. Der Einbau eines neuen Glockenstuhls hat dann dazu geführt, dass durch die Schwingungen beim Läuten einzelne Steine gelockert wurden und aus dem Mauerverbund herausgebrochen sind. Denn anstelle eines traditionellen Glockenstuhls aus Holz war seinerzeit ein vermeintlich stabileres Stahlgestell installiert worden – mit dem Nachteil, dass Stahl Schwingungen quasi vollständig weiterleitet, während Holzbalken eine dämpfende Wirkung haben. Die nun zur Deckenverstärkung eingebauten Balken sorgen dafür, dass die Vibrationen gedämpft werden und die Last auf mehr Punkte verteilt wird. Zudem wurden stabile Auflagen aus Beton hergestellt.

Eine weitere Aufgabe für die Zimmerleute besteht nun darin, die aufgrund der Schwingungen auseinandergegangenen Verbindungen des Dachgebälks wieder zusammen zu fügen. Sie sind bisher nicht verschraubt oder genagelt, sondern nach den Regeln der traditionellen Handwerkskunst verzapft.
„Voraussichtlich nächste Woche bauen wir auch die neue Treppe ein“, stellte der Zimmerermeister beim Baustellentermin mit Pfarrer Stephan Schiek in Aussicht. Denn der Weg hoch zum Glockenstuhl führte bislang über eine bessere „Hühnerleiter“, die der Statiker als lebensgefährlich bezeichnet hatte. Diese alte Treppe wurde ausgebaut und wird durch eine stabile, zimmermannsmäßig gebaute Podesttreppe ersetzt. Auch was das Dach angeht, wartet noch einiges an Arbeit auf die Handwerker. Sturmschäden in der Vergangenheit haben gezeigt, dass dort Handlungsbedarf besteht. „Nicht alle Biberschwanzziegel des sehr steilen Kirchturmdachs sind mit Klammern gegen he-runterfallen gesichert“, sagte der evangelische Ortsgeistliche.

Laut Pfarrer Schiek braucht man auch noch einen Steinmetz, der die Schäden in der Bruchsteinmauer und an den (als gemauertes Gewölbe ausgeführten) Rundbögen der Turmfenster denkmalschutz-und fachgerecht saniert. Das Zifferblatt der Kirchturmuhr sowie die Turmzier werden ebenfalls renoviert. Und wenn am Turm schon ein Gerüst steht, nutzt man diese Gelegenheit, um gleich noch die Fassade zu renovieren.

Auf Nachfrage der Rems-Zeitung hat sich der Pfarrer von Kirchenpfleger Heinrich Mangold die aktuellen Zahlen geben lassen. Auf rund 380 000 Euro summieren sich die Gesamtkosten am Kirchturm.

Abzüglich diverser Kostenbeteiligungen (unter anderem die Landeskirche sowie die bürgerliche Gemeinde) verbleibt für die evangelische Kirchengemeinde Rup-pertshofen ein Eigenanteil von ungefähr 100.000 Euro. Dank der über Jahre angesparten Rücklagen stehen 55.000 Euro zur Verfügung. 26.000 Euro kamen durch Spenden, Schrottsammlungen sowie Verkaufsaktionen auf dem Weihnachtsmarkt zusammen. Der größte Einzelposten waren jene 10.000 Euro, die beim Sponsorenlauf im vergangenen Sommer in die Kasse kamen. „Einige größere Spende wären schon willkommen. Sonst müssten wird für die noch fehlenden 20. 000 Euro einen Kredit aufnehmen!“, hofft der Ortsgeistliche auf weitere Unterstützung.

Alle Fotos: gbr, Rems-Zeitung

Hintergrund

  • Die Ursprünge der Stephanskirche in Tonolzbronn reichen zurück bis ins frühe Mittelalter. Vermutlich im 10. Jahrhundert wurde dort eine Kirche im romanischen Stil erbaut. Am heutigen Giebel des Kirchenschiffs sieht man noch die Konturen des ursprünglichen Giebels.
  • Ganz am Anfang des 16. Jahrhunderts erfolgte dann die Erweiterung auf die heutigen Maße sowie eine Umgestaltung im spätgotischen Stil.
  • Die evangelische Kirchengemeinde hat etwa 850 Mitglieder – wobei die evangelischen Christen aus dem Teilort Birkenlohe darin nicht enthalten sind. Sie zählen zu Frickenhofen.