Bach trifft Tango

„Bach trifft Tango“ lautete der neugierig machende Titel der Musik bei Kerzenschein, zu dem die unsere Kirchengemeinde am vergangenen Sonntag einlud. Leise und zart mit dem Präludium Nr. 1 von Johann Sebastian Bach - bekannt auch als Melodie zum  Ave Maria von Charles Gounod - war der Auftakt zum Konzert des Akkordeonorchesters Penz in der Stephanuskirche Tonolzbronn. Beeindruckend war, wie die Vortragsstücke mit einem klassischen Bach-Werk, z. B. einer Orgelphantasie, arrangiert von Udo Penz für Akkordeon, begannen und dann virtuos in einen Tangorhythmus nach Astor Piazzolla übergingen. Orchesterleiter Udo Penz stellte in seiner Einführung die Beziehung zwischen Johann Sebastian Bach und Astor Piazzolla her. Beide ließen in ihren Stücken Engel tanzen und beherrschten die kompositorische Kunst der Fuge. Als Experiment beschrieb Udo Penz das Stück, in dem zwischen Präludium und Fuge von Bach ein bizarr anmutender Tango des zeitgenössischen Komponisten Ernst Bachmann gepackt war. „Was ist der Sinn des Lebens?“ fragt Pfarrer Stephan Schiek – für Johann Sebastian Bach galt das Motto „Soli deo gloria“ – allein der Ehre Gottes war Lebenswerk des Ausnahmemusikers, der auch Kantor der Thomaskirche in Leipzig war, gewidmet. Pfarrer Schiek erläuterte, dass der Tango Ende des 19. Jahrhunderts in Argentinien und Uruguay entstand, als viele Europäer, vor allem viele allein reisende Männer, dort einwanderten. Der Tango erzählt traurige Schicksale aus der Vergangenheit und die düstere Erwartung der Zukunft der südamerikanischen Länder. Astor Piazzolla entwickelte durch die Verbindung mit Jazz den Tango nueve. Abgerundet wurde das Konzert nach begeistertem Beifall der Zuhörer mit der Zugabe des Stückes „Air“ von Johann Sebastian Bach.

Lebendiges Wasser – Orgelmusik bei Kerzenschein

Die Vielfalt des Orgelwerkes von Johann Sebastian Bach erleben – so könnte die Musik bei Kerzenschein in der Stephanuskirche in Tonolzbronn überschrieben werden. Zu Gast war die Organistin Vivien Geldien - geboren 1998 in Augsburg, studiert sie seit Herbst 2015 Schul- und Kirchenmusik an der Musikhochschule Lübeck. Im Jahr 2014 hat sie ihr Abitur am Landesgymnasium für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd gemacht und dort 2013/14 in der Philharmonie Cello gespielt. Zwei Jahre zuvor erhielt sie einen zweiten Preis Orgel Solo im Landeswettbewerb Bayern von Jugend Musiziert. Vivien Geldien brachte die Fuge in g-Moll, die Triosonate in d-Moll und mit der der Toccata, Adagio und Fuge in C-Dur ein wichtiges Stück aus dem Frühwerk Bachs zu Gehör. Die Zuhörerinnen und Zuhörer erlebten virtuose Passagen auf dem Manual und dem Pedal, aber auch einfühlsam, gefühlvolle Teile – beides von der jungen Künstlerin gekonnt zum Klingen gebracht. Zwischen den Musikstücken trug Pfarrer Stephan Schiek moderne Gedichte zur diesjährigen Jahreslosung aus Offenbarung 21 vor: „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Mit langanhaltendem Applaus bedankten sich die Besucher bei den Ausführenden.